The Symphony of Emptiness | Die Symphonie der Leere

The mysterious tale of a conductor who masterfully orchestrated the attention of his audience.

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The Symphony of Emptiness | Die Symphonie der Leere

Deutsche Fassung

Es war einmal ein Dirigent, über den behauptet wurde, er sei imstande, ein ganzes Konzert zu geben ohne jegliche Streicher, Bläser, Pianisten und Cellisten.
Tatsächlich ohne einen einzigen Musiker, so behauptete er.
Er kam aus dem Nichts und gewann mit seiner kühnen Behauptung die Aufmerksamkeit vieler Intendanten.

"So gebt mir eine Bühne, Instrumente und einen Vorhang, und ich werde euch das großartigste Orchester geben, welches die Menschheit jemals gehört haben wird.
Aber ich spiele nur unter diesen Bedingungen:
Allererst will ich, dass der Vorhang lediglich am Anfang und am Ende eines jeden Stückes geöffnet wird, sodass die gewöhnlichen Leute sehen können, dass es nur ich bin, der dort steht auf der Bühne, und damit ich meinen Applaus entgegennehmen kann, natürlich.
Des Weiteren verlange ich nach den Diensten eines taubstummen Türstehers, der mein vertrauter Wächter sein soll.
Da meine Kunst höchst delikat ist und ich mir absolut sicher darüber sein kann, dass die Neugierde der Menschen das Geheimnis meines Orchesters lüften will, so muss er hundert Mann stark sein!"

Und so dauerte es nicht lange, bis dieser spezielle Wächter gefunden wurde.
Und er war stark wie hundert Mann.
Hoch wie ein Berg und weit wie die See, taub sein ganzes Leben lang, er sprach noch nie ein einziges Wort.
Auch die Bühne war bereit für die Aufführung, versehen mit jedem Instrument.
Das Theater war völlig ausverkauft.
Ein jeder wollte teilhaben an dem Spektakel.
Waren die Behauptungen des Dirigenten wirklich wahr?
Endlich war es der Abend der Aufführung.
Das Theater fraß die Menschenmassen in einem Happen.
Die Instrumente wurden aufgereiht, sodass es aussah, als würden die Musiker jeden Moment kommen, sie in die Hände nehmen und anfangen zu spielen.
Der Taubstumme wurde vom Dirigenten selbst an die Tür platziert.
Er bekam die Anweisung, nicht eine einzige lebende Seele durchzulassen.
Weder Musikanten noch die Neugierigen.
Absolut niemanden.
Unter keinen Umständen.
Niemand.
Komme Himmel oder Hölle.
Der Türsteher hatte verstanden, und der Dirigent betrat die Bühne.
Der Vorhang wurde geöffnet, und nach einer kurzen Verbeugung nahm er Platz am Podium.
Niemand applaudierte.
Alle waren sie zu skeptisch gegenüber seinen Behauptungen.
Aber ihre Neugierde trieb sie in das Theater an jenem Abend.
Allein die Vorstellung war zu fantastisch!
Der Dirigent erhob die Hand.
Mit seinem Taktstock schlug er dreimal auf seinen Tisch.
Das Zeichen, die Vorhänge wieder zu schließen.
Und sobald der rote Samt seine schwungvollen Flügel um die Bühne schloss, erfüllte das sanfte Wimmern einer einsamen Violine den Saal.
Largo zuerst, aber dann allegro werdend, und schon bald wurde sie begleitet von den dunklen unterstreichenden Klängen eines Cellos.
Ein beeindrucktes Raunen ging durchs Publikum.
Doch sie blieben skeptisch.
Vielleicht war der Dirigent in der Lage, beide Instrumente zugleich zu bespielen.
Als das Duett endete, schwang der Vorhang erneut auf.
Der Dirigent stand auf seinem Podium und verbeugte sich tief.
Das Publikum applaudierte ihm und war neugierig auf das nächste Stück.
Er drehte sich, seinem unsichtbaren Orchester gegenüberstehend.
Drei kurze Schläge, und der Vorhang wurde wieder geschlossen.
Diesmal konnte man ein Klavier vernehmen, akzentuiert durch rhythmische Paukenschläge.
Beeindruckend, aber trotzdem – vielleicht spielte er die Pauken mit den Füßen.
Die Vorhänge öffneten sich wieder.
Applaus und eine kurze Verbeugung.
Aber was als Nächstes geschah, konnte sich keiner der Anwesenden erklären.
Sie hörten gleichzeitig eine Reihe von Streichern, Bassisten, Bläsern, Pianisten und Perkussionisten.
Selbst die sanften Klänge einer Harfe!
Unglaublich... Das Publikum war überzeugt.
Es musste Magie sein, die sie erlebten!
Wie könnte einer ein ganzes Orchester spielen?
Schon bald verbreitete sich die Nachricht um die ganze Welt.
Jede Aufführung war bis zum letzten Platz ausverkauft.
Bald waren die Theater nicht mehr geräumig genug für die Menschenmengen, und so wurde das Spektakel in Stadien aufgeführt.
Die Bühne stets geschützt durch den treuen Pförtner, verborgen vor neugierigen Blicken durch den Vorhang aus schwerem Samt.
Wie vom Dirigenten vorhergesagt, wuchs die Neugierde bezüglich seiner Kunst täglich, bis in Unerträgliche.
Die Menschheit verfiel dem Staunen.
Wurden sie ausgetrickst?
Gab es in Wirklichkeit ein echtes Orchester?
Niemand hatte jemals jemand anderen die Bühne betreten sehen als den Dirigenten.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis ihre Neugierde sie zum Handeln verleitete und bis ihre Fragen nach Antworten verlangten.
Eines Tages stürmten sie hinter die Bühne und forderten lauthals Eintritt.
Der taubstumme Pförtner tat sein Bestes, doch der Ansturm an Menschen war zu groß.
Er wurde schnell von der Welle der Neugierigen mitgerissen.
Sie stiegen auf die Bühne.
Jedoch fanden sie diese vollkommen leer vor.
Weder Musiker noch Dirigent war zu sehen.
Er entschwand ins Nichts, das ihn geboren hatte.
Sie belagerten den Türsteher und fragten ihn mit Händen und Füßen über den Aufenthaltsort des mysteriösen Mannes.
Hat er gesehen, wohin er entflohen ist?
Er schüttelte den Kopf.
Dann fragten sie ihn, ob er selbst jemals einen Blick hinter die Tür geworfen hatte.
Er nickte zustimmend.
Doch was er dort gesehen hatte, ja, das konnte er niemals sagen.

Once there was a conductor of whom they said he would be able to stage a whole concert without any string players, flutists, pianists and cellists.
In fact without a single musician, he declared.
He came out of nothing and won with his bold statement the attention of many intendants.

"Give me a stage, the instruments and a curtain and I shall give you the greatest orchestra mankind has ever heard.
But I will play only under these conditions:
First of all I want the curtain only to be opened at the beginning and at the ending of a piece. So the common people can see that it is only me, there on the stage.
And so I can take my applause, of course.
Furthermore I demand the works of a deaf-mute doorman, who shall be my trustworthy guardsman.
Because my arts are very delicate and I can be of absolute certainty that one's curiosity will want to discover the secrets of my orchestra, he will have to be a hundred man strong!"

And so it didn't take long to find the special doorman.
And a hundred man strong he was.
High as a mountain and wide as the sea, deaf his whole life, he never spoke a single word.
The stage as well was ready for the act, prepared with every instrument.
The theater was completely and utterly sold out.
Everyone wanted to see the spectacle.
Were the claims of the conductor really true?
Finally it was the evening of the performance.
The theater ate the masses of people in one bite.
The instruments were placed in line, so it seemed the musicians would come any moment, take them in their hands and begin to play.
The deaf-mute was placed at the door to the stage by the conductor personally.
He got the orders to let through not a living soul.
Neither musicians nor the curious.
Absolutely nobody.
Under no circumstances.
No one.
Come hell or high water.
The doorman understood and the conductor entered the stage.
The curtains were opened and after a quick bow he took his place on the podium.
Nobody clapped.
They all were too skeptical of his claims.
But their curiosity brought them to the theater that night.
Just to imagine it was too fantastical!
The conductor raised his hand.
With his baton he hit his desk three times.
The sign to close the curtains again.
And as soon as the red velvet closed its swirling wings around the stage, the gentle whimpering of a lonely violin filled the hall.
Largo first, but then becoming allegro and soon it was followed by the dark, underlining sounds of a cello.
A impressed murmur rumbled through the audience.
But they remained skeptical.
Maybe the conductor was able to play both instruments at the same time.
As the duet concluded, the curtain swung open again.
The conductor stood on his podium and bowed deeply.
The audience applauded him and was curious for his next piece.
He turned back, facing his invisible orchestra.
Three short strokes and the curtains were closed.
This time a piano could be heard, accentuated by the rhythmic sounds of kettledrums.
Impressive, but still, maybe he played the drums with his feet.
The curtains opened again.
Applause and a quick bow.
But what followed next could not be explained by anybody present that day.
They heard simultaneously a bunch of string players, bassists, wind players, pianists, and percussionists.
Even the gentle sound of a harp!
Incredible...
The audience was convinced.
It must be magic that they were witnessing!
How could one play a whole orchestra?
Soon the news traveled the wide world.
Every performance was sold out until the last seat.
Soon the theaters were not spacious enough for the congestion of people, and so the spectacle was staged in stadiums.
The stage always protected by the faithful doorman, hidden from curious eyes by the heavy velvet curtains.
Like the conductor predicted, the curiosity for his art grew by the day.
Mankind fell victim to wonder.
Were they tricked?
Was there a true orchestra?
Nobody ever saw someone other entering the stage, only the conductor.
It was only a matter of time for their curiosity to become action and for their questions to demand answers.
One day they stormed the back stage and loudly demanded entrance.
The deaf-mute doorman did his best, but the rush of people was too great.
He was swiftly swept away by the wave of the inquisitive.
They charged the stage.
But only to find it completely empty.
Neither musicians nor conductor in sight.
He vanished into the nothingness that gave birth to him.
They seized the doorman and asked him, with hand and feet, for the whereabouts of the mysterious man.
Did he see where he went?
He shook his head.
Then they asked him if he ever took a glance behind the door himself.
He nodded affirmatively.
But what he saw there, he could never tell them.